HSIANG-FA TSAO

My paintings flow like water, leaving no traces behind. They are void, nothing, white. The texture of my painting is not only my bone, my flesh and blood and my skin, but also the combination of my Internal organs matched with my breathing and following my consciousness. I use the density of different layers of colors to depict the delicacy, diversity and profundity of this world. Later, I cover these bright colors with white paint. All these paintings are supposed to last forever. However, such is an ideal paradise which human beings can only for in the real world.

Meine Bilder sind wie das Wasser, das fliesst, ohne Spuren zu hinterlassen. Sie sind leer, nichts und weiss.

Sie sind nicht nur vom Material her wie mein Körper, aus Haut, Knochen, Fleisch und Blut entstanden, sondern, kombiniert mit meinen Organen und der Atmung, das Bewusstsein zum Nachdenken.

Die Malerei Hsiang-Fa Tsaos (*1963) bringt sich selbst zum Verschwinden, um mit jedem Schritt der Reduktion neu an Präsenz zu gewinnen. Was heute als monochrom weisses Bild nur mehr untergründig Struktur erkennen lässt, hat einen weiten Weg zurückgelegt.

Als sollte die gesamte Malereigeschichte noch einmal nachvollzogen werden, geht die Malerei Tsaos von Neuem den Weg vom Gegenstand über die isolierte Farbe zum absoluten Weiss. Autobiographisches und die Erinnerung werden zum Bildgegenstand der Malerei Anfang der Neunziger .

Die damals entstandenen Lotusblätter und Flötenspielerinnen scheinen von den grünen, roten oder orangen Bildern der folgenden Jahre ebenso weit entfernt wie von den aktuellen weissen Monochromien. Sie werden in Dapu Contemporary Art Jona Hall gezeigt. Und doch ist die Auflistung des Werdegangs mehr als blosse Biografie, denn sie führt direkt zum Kern der Malerei Tsaos: Seit 1990 bemalt der Joner-Schweizer-Taiwaner- Matsuaner-Chinese immer wieder dieselben Leinwände.

Ein Bild lässt das nächste entstehen und nimmt dabei sein eigenes Verschwinden in Kauf. Der beständigen Bilderflut setzt Tsao ein fast autistisches Kreisen um die eigene Malerei entgegen. Im fortwährenden Uebermalen der eigenen Bilder, die sich Schicht um Schicht, Jahr für Jahr erneuern, verbindet sich konsequente Gegenwärtigkeit mit permanenter Präsenz des Vergangenen. Die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit ist dabei weit entfernt davon, nur als theoretisches Konstrukt zu fungieren. Vielmehr prägt sich das “Gedächtnis der Bilder“ als Tiefenstruktur der Malerei ein. Die vergangene Malerei geht nie wirklich verloren. Die monochrome Malerei wird Tsao zum Palimpsest, zum antiken Pergament, auf dem sich unterschiedlichste Eintragung ohne jegliche inhaltliche Verbindung vermischen, um in der Parallelität von Gegenwärtigem und Vergangenem einen neuen Sinn zu ergeben. Das Lesen der Bilder Hsiang-Fa Tsaos wird so zum Blick in die Tiefe, die sich in der Oberfläche der Bilder widerspiegelt.

Wie dem auch sei, Hsiang-FaTsao besetzt innerhalb der zeitgenössischen Kunst eine radikale Position. Und es hat den Anschein, diese Radikalität sei keine blosse Attitüde im Kunstbetrieb, sondern in des Künstlers Existenz selbst verwurzelt.